Kapitel V

Kapitel V.

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KELTISCHE SPRACHE

 

I

DAS ARMORIQUE UND SEINE VOLKSSTÄMME .

Nachdem wir die Sprache der Tectosagen angewendet haben, um das Baskische zu interpretieren, können wir ihre Wirksamkeit in der Erklärung von Britannien und den keltischen Namen der amorikanischen Stämme versuchen. Die bretonische Sprache ist, so glaubt man, die wahre keltische Sprache die von unseren Ahnen gesprochen wurde. Das die Bretonen eine sehr beträchtliche Anzahl von gallischen Ausdrücken beibehalten haben ist unumstritten; aber sie bewahrten diese Sprache nicht in ihrer Reinheit, und es reicht aus, einen Blick auf ihre Pronomen zu werfen, um von der tiefen Verschlechterung ihrer Sprache einen Eindruck zu bekommen. Dies wird deutlich, bei den Festtagen (Feiertagen) diese Ver-

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schlechterung, und das ist die Schwierigkeit die von den Bretonen selber empfunden wird, um die Bezeichnungen ihrer alten Stämme und im besonderen die teuersten (edelsten) Namen mit ihrer Vaterlandsliebe, jener von Britannien und Amorika, aufzuklären.

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Der Neimheid, wie wir bereits schon sahen, bezeichnet den gelehrten (Volkselite-) Körper, der die Bezeichnungen zusammensetzte. Verteilten diese Männer der Elite auch die Hauptgrundlage ihrer Nahrung an das Volk, das heißt, den Weizen und das Brot ? Feiderklärt dies positiv, weil doch das Verb to feed (fid) (zu füttern, zu ernähren), bedeutet zu ernähren, zu essen geben. Die Begriffe Menhir [Orig. menir], Dolmen, Cromleck, beziehen sich auch noch auf diese wichtige Tatsache, die für die Druiden darin bestand, an das Volk zu verteilen, zuerst die religiöse Wissenschaft, die für das moralische Leben unentbehrlich ist, und an zweiter Stelle das Getreide und das Brot, das wesentliche des materiellen Lebens.

Der Menhir stellt durch seine keilförmige und spitze Form das Nahrungsmittel als erste Notwenigkeit dar, das Getreide - main (mén)(Haupt-..., mächtig, wichtig, vorherrschend), Hauptsache, ear (ir) (Ohr, Gehör, Handhabung, Aufmerksamkeit), Getreideähre – seltsameSache ! In all unseren Dörfern des Languedoc, findet man immer ein Gelände welches mit dem Namen Kairolo verbunden ist, - key(Taste, Schlussstein), Schlüssel, - ear (ir) (Handhabung, Aufmerksamkeit), Getreideähre, -hole (Loch, Höhle, schlechte Wohnung),kleines Haus [Petites-Maisons, ehemaliger Name eines Irrenhauses in Paris] der Felder - . - Wahrscheinlich wurde in diesem Gelände der Getreidespeicher der keltischen Dörfer gebaut. Die Verteilung des Getreides wurde durch die Hand der Druiden vollzogen,

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wie dies die verschiedenen Autoren gut festgestellt haben und wie es der damit verbundene Ausdruck dolmen offensichtlich bezeugt, welcher im übrigen wie ein Verteilungstisch gebaut war, to dole (Almosen austeilen, den größten Teil als Spenden verteilen), zuverteilen, - main (mén) (Hauptsache, stark, vorherrschend, wichtig), Wesentliches - . 

Es ist ganz bemerkenswert und interessant, (uns) die Begriffe menir (Menhir) und Dolmen näher zu bringen, sowie den Namen des letzten Chefs der armorikanischen Druiden, welcher erlebte, dass die druidischen Kollegien (Schulen) gemäß eines Beschlusses der Generalstände, und unter dem Vorsitz von Bischof Modérian (1) sowie dem ersten König von Armorika Conan Meriadech (2), welche in Rennes im Jahre 396 nach Jesus-Christus abgehalten ward, geschlossen wurde. Dieser höchste Chef (Repräsentant) der druidischen Ordnung nannte sich Eal-ir-bad, - to heal (hil) (zu heilen, dem schlechten abhelfen, zu versöhnen), einer Sache abhelfen, - ear (ir)(Gehör, Handhabung, Ähre), Getreideähre, - bad (schlecht, böse, Abwege, falsch), verdorbene Stelle (fauler Fleck) schlecht (übel, tadel, Unheil) - Abhilfe (Beseitigung) schaffen vom verdorbenen Getreide. Er war also durch seine Funktion als Erzdruide gezwungen, das Getreide nicht nur in den gewöhnlichen Zeiten zu verteilen, sondern auch in unglücklichen Jahren, wo aufgrund von Unfällen, die sich bei den Ernten ereigneten (Missernten) , Abhilfe zu schaffen, indem man das Getreide zweifellos verteilte, dass in speziellen Speichern vorsichtig (vorsorglich) als Reserve aufbewahrt wurde.

Die Steinkreise stellen für gewöhnlich die runde Form des Brotes dar Cromleck, leitet sich in der Tat von Krum (Kreum) , Brotkrume, und von to like (laike) (gleich sein, etwas ähnlich sein), zu mögen, zu schmecken. Im Cromleck von Rennes-les-Bains sieht man ganzbedeutende runde Steine, in Form der Brote, die auf dem Gipfel gewaltiger Felsen platziert wurden.

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Die wackelnden (schwankenden) Steine werden von den Bretonen roulers genannt, - rouler (rouleur) (regierende, Linierer, Lineal) , Regierender. – Sie sind das göttliche und druidische Zeichen der Regierungen.

Man kann durch die Erzählungen von Cäsar und die Form der Dolmen glauben, dass diese Tische als Altäre dienten, wo die Druiden menschliche Kreaturen opferten; aber die Interpretation der Namen von allen aufgestellten Steinen, diese leichte und einleuchtendeInterpretation durch das Idiom der Tectosagen, lässt den abscheulichen Charakter verschwinden, den man ihnen (den Steinen) zuordnete, trotz der Tatsache sie in den Rang einfacher Denkmale zurückzuführen, besitzen sie trotzdem eine prächtige religiöse Bedeutung, diese werden wir versuchen klar (und deutlich) darzulegen, wenn wir über den Cromleck von Rennes-les-Bains sprechen werden.

Die größte Unentschlossenheit herrscht über die Peulven (1) und die Lichaven (2) . Man berichtet im allgemeinen über Peulven am Menir und Lichaven am Dolmen. In Wirklichkeit stellen die Peulven und die Lichavens eine Idee vor, die jener ähnlich ist, die im Namen Vénétes enthalten ist, denn Peulven drückt eine heftige Abneigung gegenüber dem Tempel aus, - vane (véne) (Wetterfahne, Turnierfahne eines Ritters), Tempel - , und der Lichaven stellte dem Volk ein nicht vorhandenes religiöses Gebäude vor, - to lack (nicht haben, nicht bedürfen, es mangelt an), zu fehlen von, - vane (véne) (Wetterfahne, Turnierfahne), Tempel - dieser letzte (Begriff) müsste anstatt Lichaven, Lackaven geschrieben werden.

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Die durch den (lehrreichen) Dialog wiedergegebene Tatsache scheint wirklich wahr zu sein. Es war ein glückliches Vorzeichen und ein Glück für Momoros, in der Wissenschaft der Wahrsagerei [Vorzeichendeuter, Vogelschauer – am Flug der Vögel Zeichen zu erkennen,auch Omina oder Augures genannt] eine große Anzahl Raben [Schwarzröcke, Leichenträger, Kragsteine, Konsolen] zu sehen, die ihm sozusagen den Platz markieren, den die Stadt einnehmen musste, und der Begriff luck (leuk) (Glücksfall), Glück, unverhoffter Glücksfall(unverhofftes Vermögen) - Luckdun – [sehr großer Glücksfall bei Hügel], drückt so sehr gut die Zufriedenheit aus, die er dort empfunden hat. Was (nun) dunun betrifft, welches sich in den Namen mehrerer keltischer Städte befindet, bezeichnet nicht eine Erhöhung (oder Hügel) auf dem eine Stadt erbaut werden konnte, sondern to dun (zu ermahnen, zu belästigen) bedeutet (den) Schuldner ärgern [oder langweilen mit dem verbreiten von falschen Nachrichten]. Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Städte diese Namensenden, die dun oder dunum tragen, ursprünglich Stätten der Zuflucht waren, wo die zahlungsunfähigen Schuldner den Schutz vor den Verfolgungen der lästigen Gläubiger suchten. Der Gelehrte Heilige Martin hat bereits in seiner Geschichte von Gallien diesen Gedanken hervorgebracht, dass die gallischen Städte vielleicht einfache, Einwohnerleere Zufluchtsstätten (Fluchtburgen) waren, wo man hinlief um sich geschützt (bedeckt, gedeckt) einer drängenden Gefahr zu stellen (entziehen, abzuwehren). Das Verb to dun [siehe oben] bietet einen ganz klaren und präzisen Sinn an, der die Ursache einer überstürzten Flucht, eines Schuldners und seinen plötzlichenRuhestand in einer entfernten Stadt, erklärt.

Es ist dennoch sehr sicher, dass die Kelten die Hügel aufsuchten, um dort ihre Städte und die Stadt von Lactora (Lectoure, im Département Gers) zu bauen,

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[diese Stadt] stellt ein Beispiel dieser klugen Wahl vor. Lactora, welches auf dem Gipfel eines steilen Berges angesiedelt ist, an dessen Fuße sich das Gers ergießt, gibt offensichtlich die Erhöhung an, wo sich offenbart und auch die Vorliebe der Kelten für die Höhen erklärt wird, wenn sie eine Stadt gründeten, - to like (laike) (gleich sein, ähnlich sein, sich wünschen, etwas billigen), zu mögen, (an etwas) Geschmack finden, - tor (torr) Millimeter Quecksilbersäule, zu Ende gehende (Brüstungs-) Höhe ist der Beginn (Anfang, Schiffsbug) - . Unter den Stämmen, die im besagten gälischen Bund inbegriffen waren, ist der berühmteste jener der Arverni. Der Scharfsinn zitiert den Namen der Arverni, und hält sofort mit einem schmerzhaften Interesse bei (der Person, dem Namen) Vercingétorix an, dem letzten Verteidiger der gallischen Unabhängigkeit. Angeführt durch Vercingétorix, in den ihnen (so) teuren Bergen, kämpften die Arverni und fügten Cäsar eine blutige Niederlage zu, diese schmerzliche Erinnerung erregte im Herzen des Römischen Generals den wildesten Hass gegen seinen (Be-) Sieger.

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