Rhedae I - VII

Die Stadt der Fuhrwerke

Louis Fedie (1880)

Quelle d. Übersetzung: © Jürg Caluori, Privatarchiv.

   Vorbemerkungen des Übersetzers 

Kapitel I - VII

Man sollte jedes Buch mit kritischem Geist lesen. Vor allem wenn es sich mit Rennes-le-Château beschäftigt. Allzu viele Halbwahrheit und missverständliche Formulierungen, wenn nicht sogar bewusste Irreführungen haben einen fast undurchdringlichen Dschungel von Rätseln geschaffen, der das wahre Rätsel überdeckt. 

Fedie ist nach meinem Wissen der Erste, der sich mit Rennes-le-Château im eigentlichen Sinne befasst hat. Sein Buch ist älter als das berühmte Werk von Boudet (La vraie lange celtique et le Cromleck de Rennes-les-Bains). 

Weil ich zu den Quellen des Rätsels gelangen möchte, habe ich mich mit diesem Buch beschäftigt und für meine Freunde, die nicht französisch sprechen, ins Deutsche übersetzt.

Vielleicht ist die Übersetzung hie und da kompliziert zu lesen. Es ist aber zu beachten, dass Fedie ein sehr gewundenes Französisch schrieb auch wenn man berücksichtigt, dass dieses Buch 1880 entstand. Er war ein „Homme de lettre“ und so schrieb er auch, um seine Freunde zu beeindrucken.

RHEDAE war Teil eines grösseren Werks mit Namen „LE COMTE DE RAZES et le DIOCESE D’ALET“ (Die Grafschaft Razès und die Diozöse von Alet; Titel siehe Beilage 1) und wurde für die Gesellschaft für Kunst und Wissenschaft von Carcassonne verfasst. (Boudet war übrigens auch Mitglied dieser Gesellschaft)

Ich habe mich sehr bemüht so wort- und sinngetreu wie möglich zu übersetzen.

(Was nicht immer dasselbe ist! Im Zweifelsfalle habe ich den Sinngehalt so gut wie irgend möglich übersetzt.

   

„RHEDAE

(Rennes-le-Château) (1) 

Historische Dokumente deren Älteste aus dem 7.Jh. stammen, unter denen ein erhaltener Akt im Verzeichnis von Capcir ist, erwähnen ein Territorium oder vielmehr eine Diözese, in Septimanien gelegen, die sich Rhedesium oder Pagus Rhedensis nennt. Diese Diözese hatte eine Hauptstadt. Was war der richtige Name dieser Hauptstadt? Wo war ihre wirkliche geographische Lage? In welche Epoche fällt ihre Entstehung?

Beim ersten Punkt ist die Antwort einfach. Die zwei Prälaten, die 789 von Karl dem Grossen als Richter-Kommissare nach Septimanien geschickt wurden, wiesen auf die Stadt Rhedae hin, die sie mit Narbonne und Carcassonne in einem Atemzug nannten.

Diese Erwähnung von Rhedae, klassiert von diesem Teil des Klerus als eine bedeutende Stadt, bedarf keines Kommentars. Es handelte sich sicher um eine der bedeutendsten Städte von Septimanien, die nur die Hauptstadt der Diözese sein konnte und dieser den Namen gegeben hatte. BESSE, einer der Historiker die man gerne konsultiert, ist geneigt zu glauben, dass im Laufe des 6.Jh. die Bischöfe von Carcassonne, von den Ariens von ihrem Sitz verjagt, ihre provisorische Residenz in Rhedae eingerichtet hatten. Dies ist also der Beweis, dass in einer Epoche vor dem 7. Jh. nicht nur eine Stadt bestanden hat, sondern eine bedeutende Stadt, die die Hauptstadt von Rhedesium war.

 Es verbleibt uns zu untersuchen, wo die geographische Position dieser Stadt war und über ihre Gründung zu recherchieren.

 Kein Historiker gibt Hinweise auf den Ursprung, die Wichtigkeit und die historische Rolle der Stadt Rhedae. Ihre Gründung ist so mysteriös, dass es scheint, als ob die Chronisten und Archäologen entmutigt wurden.

 Man hat ihr nicht die Ehre erwiesen eine Fabel  oder eine Legende zu kreieren um den Beginn zu erklären. Diesen volkstümlichen Nimbus, geprägt von

Herrlichkeit, der die Geburt von gewissen Städten der gallischen Narbonnaise, speziell Carcassonne umgibt, fehlt hier völlig. Man sagte, dass sie als Ganzes entstanden ist und erst einige Jahrhunderte nach der Gründung entdeckt wurde. Wir finden die Erklärung dieses historischen Phänomens in der Tatsache, dass die Entstehung der Hauptstadt Rhedesiums nach der römischen Besetzung jedoch bevor die soziale Konstitution Gestalt annahm, die sofort nach der Eroberung durch die Westgoten in der Narbonnaise stattfand. Das erklärt gewisse irrtümliche Kommentare deren eine Rhedae als eine Original-gallische Stadt sehen, während die anderen die Gründung als eine römische Kolonie betrachten.

Der gleiche Irrtum wurde von gewissen Historikern gemacht, wenn es um die exakte Bestimmung der Lage und Ausdehnung der Stadt Rhedae ging. Die einen glaubten, dass sie im Land von Chercorb oder Kercobz gelegen sei, die andern platzierten sie in Rennes-les-Bains. Schlussendlich glaubte man noch, dass zwei Städte gleichen Namens in der gallischen Narbonnaise existierten.

Keiner der lateinischen Autoren der sich mit der Geschichte der römischen Eroberung der gallischen Narbonnaise beschäftigt, erwähnt Rhedae oder Rhedesium, respektive eine Diözese die diesen Namen trug. In der Chronik von EUSEBE existiert eine Passage wo der Autor sich darauf beschränkt von einem Vorort  zu sprechen der den Namen d’Atax trägt der scheinbar die Wiege der Stadt Limoux sein soll. DU MÈGE hebt in seinen Kommentaren in zweifelnder Form eine Meinung hervor, die wir nicht teilen können. Nach ihm könnten gewisse Zentren der Bevölkerung im Aude einen gallisch-hellenistischen (=griechischen a.d.Ü) Ursprung haben. Dies im Sinne dass, nach der Entstehung der griechischen Handelszentren im Umfeld des Mittelmeers, sich gemischte Kolonien –aus einheimischen Elementen vermischt mit fremden Elementen-  in diesem Teil der Narbonnaise gebildet hätten.

Wir wollen hier nicht die Diskussion um die Meinung von DU MÈGE lostreten, eine Meinung, der wir sehr fern stehen. Wir beschränken uns darauf festzustellen, dass er Rhedae nicht zu den Ortschaften zählt, die er als hellenistischen Ursprungs sieht.

Ist die Gründung von Rhedae der Fraktion des Volkes der Tectosagen (Stamm der Kelten; a.d.Ü) zuzurechnen, die am Ufer der Aude wohnten und die man „Atacins“ nannte nach dem Namen des Flusses Atax? Wir denken nicht. Diese helle (hellhäutige a.d.Ü) Bevölkerung, hingepflanzt auf einem undankbaren Boden, in einem Land das von weiten Eichen- und Tannenwäldern bedeckt ist, hätte nicht die Talgründe verlassen die ihnen gute Unterstände bot und ihnen leicht Existenzmittel sicherte, dank der Beute von der Jagd und der Fischerei. Sie hätten nicht dieses Territorium verlassen, wo die Kommunikation einfach war, und wo man den Nachfolgern der römischen Armee-Detachemente entkommen konnte, dank den Grotten und Kavernen von denen das Gebiet viele aufwies. Die „Atacins“ hätten also keinerlei Vorteil gehabt eine Heimstatt, Dorf oder Stadt, auf einem erhöhten Plateau zu bauen, das weder eine leichte Existenz noch Sicherheit garantierte.

Wir werden aufzeigen, dass die Stadt Rhedae nicht von einer einheimischen Bevölkerung gegründet wurde wie dem Stamm der „Atacins“; dass sie nicht eine Gallo-Römische Kolonie war, und endlich, dass sie nicht Gallo-Hellenistischen Ursprungs war. Diese Stadt wurde von Fremden konstruiert, durch Aggressoren und Eroberer. Diese Eroberer kamen nicht aus nordischen Regionen; zuviele Hindernisse hätten sie auf ihrem Marsch behindert und sie hätten sicher nicht mal versucht diese Hindernisse zu überwinden um ein so armseliges Stück Land zu besetzen. Wenn man alles überprüft, kommt man im Gegenteil zur Schlussfolgerung, dass sie vom Süden kamen, das heisst aus der Iberischen Region. Und zudem die Stadt von Rhedae existierte zum Zeitpunkt der Sarazenen Invasion, sie konnte nur gegründet worden sein von denjenigen Vorgängern der Gallischen Invasion, das heisst den Westgoten. Wir sind deshalb überzeugt, dass Rhedae im Ursprung eine westgotische Heimstatt war.

Wir werden einige neue Argumente liefern, die diese Behauptung unterstützen.

Die Autoren sind sich nicht einig über die Orthographie des Namens, den ursprünglich diese Stadt trug. Theodulphe, einer der Gefolgsmänner von Karl dem Grossen, schrieb Rhedae. Auf diversen Akten (Charta) des Mittelalters findet man Redae, dann Redde und auch noch Reddas und schlussendlich Reda oder Rheda. Wir zögern nicht die Version des wissenden (wissenschaftlichen, a.d.Ü.) Bischofs von Orleans zu übernehmen, weil das Werk worin er seine Mission nach Septimanien beschrieb, einem heutigen offiziellen Rapport entsprechen würde. Und zweitens, das Wort Rhedae hat eine Bedeutung das die anderen Varianten nicht haben. Die Römer, in diesem Fall die moderne Bevölkerung, sind die Imitatoren die ihre Sprache anreicherten, indem sie sich von den Nationen mit denen sie in Kontakt standen gewisse Redewendung (Terminologien) aneigneten. Schlussendlich, gemäss den lateinischen Autoren, bedeutet Rhedae  Reisewagen (Reisekarren, Fuhrwerk).Wir übernehmen diese Übersetzung und stellen als Konsequenz fest, dass das Wort Rhedae diese Bedeutung in sich einschliesst und dass der Ursprung der Stadt derjenige ist, dessen Name sie in sich trägt. Rhedae – die Reisekarren- das ist sozusagen ein Zeltplatz, rollende Häuser, regelmässige Abstände, Wohnsitze an einem gewählten Ort, formend eine Herrschaft im Wald, aus Leder und Stoff umgeben von Schanzen. Das ist die Stadt am Anfang. Das ist ein emsiges Kommen und gehen (wie im Bienenstock) von Bewohnern, die ihre Habe mit sich führen. In seinen Erzählungen von der Merowingerzeit sagt uns Thierry, dass die Karren der Westgoten von Büffeln gezogen wurden. Sie waren voll vierrädrig, und sehr niedrig,

so dass sie auf allen Wegen passieren konnten. Das waren wahre Häuser auf Rädern, aus Leder und (Korb)Weiden. Dieser grosse Historiker fügt hinzu, dass um die Flüsse zu überqueren, ebenso um sich flussaufwärts oder flussabwärts zu bewegen, die Westgoten Boote hatte, die aus Leder gemacht waren und mit Schilf oder (Korb)Weiden überzogen waren und dass man diese Boote auf dem Rücken tragen konnte.

Welches war der (Zeit)Punkt der gewählt wurde zur Gründung dieser Herrschaft? Das ist das Ende des weiten Hochplateaus, das gegen Norden dominiert und die zwei Passagen deckt, die das Gebirgsmassiv vom Corbières mit den Pyrenäen verbindet.

Aus strategischer Sicht konnte die Platzierung eines befestigten Camps, bestimmt das Zentrum einer grossen Bevölkerung zu werden, nicht besser gewählt werden 

Praktisch unzugänglich von drei Seiten, konnte dieses Camp leicht verteidigt werden da es auf der Ostseite an die gewaltige Ebene, Lauzet genannt angrenzt auf der sich eine gewaltige Armee bewegen konnte. 

Die Westgoten hatten von den Römern, ihren Feinden, Befestigungsbau gelernt und wir finden den Beweis im Bau des Camps von Rhedae.

Wir versuchen aufzuzeigen, wie die Westgoten dazu kamen, ihr erstes Camp an der Stelle aufzuschlagen wo der Ort liegt, der den Namen Rhedae bekam. 

II 

Nachdem sie das Hindernis Pyrenäen überwunden durch die Klus Passage, heute Pertus, überwunden hatten, eine Passage die auch Hannibal durchquert hatte und  Pompeius eine seiner Trophäen dekoriert hatte,  gelangten die Westgoten 404 bis zur Stadt Collioure, Caucoliberis, und eroberten das Roussilon, das seinerseits, einige Jahrhunderte vorher, einen unabhängige Region war mit dem Namen „Land der Sardons“.

 Einmal Beherrscher des Roussillon, konnten sie die ganze Gallische Narbonnaise durchdringen. (erobern) 

Einer, entlang der Litoralen (dem Flussufer entlang, a.d.Ü) gelegen, führte direkt nach Narbonne. Der andere, der gegen Westen ging, folgte dem Kurs der Gly, durchquerte in seiner ganzen Länge die Senke die umschlossen wird von der Kette der Corbières und den ersten Gegenfestungen der Pyrenäen und führt in die gebirgige Region dort, wo heute, mit dem Wald von Fanges, das Departement Aude beginnt.

Die erste dieser Passagen, stark verteidigt durch militärische Anlagen der Römer,

bot einen starken Widerstand und konnte nicht bezwungen werden, ausser von einer kompakten und sehr gut organisierten Armee, die versuchen würde Narbonne direkt anzugreifen. Währenddem sie ihre besten Truppen auf diesen Punkt konzentrierten, versuchten die Westgoten auf eine andere Weise Gallien zu durchdringen ohne kompakte Massen einzusetzen. Diese Massen bildeten keine Armee, aber eine Menge (einen Haufen), mehr oder weniger eine Armee, reisend mit ihren Zelten, ihren Karren, ihren Haustieren. Diese menschliche Armee zog der Kette der Corbières entlang, die am Cap von Leucate zum Berg Bugarach führt und dann am Hochtal vom Roussillon endet. Dort angekommen, teilten sie sich in zwei Haufen, deren einer folgte dem Tal von Boulzanne das nach Axat führt entlang der südlichen Seite des Waldes von Fanges, während der andere den Col von St.Louis überquerend und dem Tal Arèse folgend, von dem in alten Schriften häufig die Rede ist als Val Arida, sich nach Norden wandte gegenüber dieser Geländefalte wo später die Dörfer von Saint Louis und Saint Just entstanden und gelangten zu einer grossen Ebene wo das Camp entstand, das zur Stadt Rhedae wurde.

Den Weg den wir beschreiten um eine der interessantesten Episoden der Westgoten-Invasion in der Narbonnaise zu zeigen, ist das Resultat von minutiösen Nachforschungen. Die historischen Studien und die statistischen Arbeiten haben, seit dem Beginn dieses Jahrhunderts, gebildete und wissenschaftlich interessierte  Anhänger im Departement Pyrenäen-West. Ein Teil dieses Departements bestehend aus dem Capcir, der Corbière von Sournia, dem Land von Latour und die Grafschaft

Von Fenouillèdes, waren Enklaven in der Diözese von Alet. Während dem wir uns hier mit dem Rhedesium beschäftigen hat die Diözese von Alet zu einem späteren Zeitpunkt praktisch das ganze Gebiet umfasst, (deshalb) mussten wir alle Dokumente recherchieren die diesen Teil der Provinz Languedoc betreffen. 

Dies führte dazu, dass wir mit Erfolg die alten geographischen und archäologischen Arbeiten über die Pyrenäen-West konsultierten. Die Grenzen die durch administrative Aufwände gesetzt werden, müssen überschritten werden, wenn es sich bei den Recherchen um wichtige historische Fakten handelt, die sich auf eine heute aufgeteilte Gegend beziehen, die aber wenigstens ein Jahrhundert vereinigt war.

Deshalb mussten wir konsequenterweise alles zusammenfassen für diese Arbeit was an historischer Forschung über das ganze Land Rhedae vorhanden war, ohne uns um Departements zu kümmern, zu denen heute ein Teil der Gegend gehören mag.

Auf der anderen Seite haben wir feststellen können, dass die Domäne der Geschichte von Tag zu Tag zunimmt. Man scheut sich nicht mehr heutzutage, in Büchern oder Chroniken zu graben, in denen von Nationen gesprochen wird, die seit langer Zeit verschwunden sind. Man begnügt sich nicht mehr mit Legenden und Traditionen um aus ihnen historische Teile herauszufinden. Man exhuminiert von Grund auf die Überreste der vergangenen Zeiten; man studiert die antiken Ruinen, die Skelette der der Schlösser und Festungen deren Existenz sich im Dunkeln der Zeiten verliert. Der Geist versucht Mysterien zu sondieren von diesen fast zerstörten Monumenten, aber es scheint, dass die Hand Gottes sie erhalten hat bis sie uns erzählen, nicht die Legenden aber die Geschichte der Jahrhunderte.

So sind die Elemente, die uns geholfen haben, die Vergangenheit vom Rhedesium zu rekonstruieren. Die verfolgte Spur der Invasion der Westgoten ist markiert mit  Festungsresten, die wie Fixpunkte (Markierungen, Tafeln) scheinen, die die Passagen dieser Eroberer-Nation markieren. Es entstanden Festungen, starke Schlösser in der Region Rhedesium, weil hier die Wachen stationiert waren, die die Wege bewachten die von Rhedae nach Iberien führten.

Wir widmen in der Folge dieser Erzählung einer jeden dieser Zitadellen, die eine wichtige Rolle in der Geschichte gespielt haben, eine eigene Studie. Wir begrenzen uns jedoch in diesem ersten Teil dieser Arbeit nur exklusiv über die Entstehung der Hauptstadt von Rhedesium zu Rapportieren. 

III 

Nachdem wir versucht haben den Weg zu finden, den ein Teil der West-Gotischen Nation genommen hatte, um die Gallische-Narbonnaise zu besiedeln, werden wir nun das Sesshaft werden dieser Bevölkerung, an dem Ort wo sie ihre Reise-Karren (Fuhrwerke) anhielten, verfolgen.

Wenn man den Col von Saint-Louis überschritten hat, gelangt man, wie wir schon erklärt haben, zur Hochebene die, nördlich dominiert vom Tal Arèse und gegenüber den Wäldern von Fanges, zu einer grossen sandigen Ebene bedeckt mit Wäldern und Heide führt, die sich zu einer enormen Fläche entwickelt und gegen Westen, nach einem Weg von acht bis zehn Kilometer zum Fuss des Sporns führt, auf dem sich Rennes-le-Château befindet. Dort, wo sich das Gelände zwischen zwei Hügeln duckt, der eine nach Süden –völlig kahl-, der andere nach Norden auf dem das Dorf ist. 

Dieses ebene Gelände wird geteilt durch einen Bach, der von Osten nach Westen abfällt.

Dieser Bach, genährt durch eine unregelmässige Quelle. die im Sommer praktisch austrocknet die aber im Winter eine Mühle antreibt.

Es ist an diesem Ort, wo das Camp der Westgoten gebaut wurde, dieser Fötus einer zukünftigen Stadt, ein zukünftiges Troja, wie der Dichter sagt.

Reste von Fundamenten unter dem Boden, Ziegelsteine und antike Töpferscherben die man an dieser Stelle gefunden hat, lassen daran keinen Zweifel. Noch vor kurzem, nämlich vor zwei Jahren hat ein Bewohner von Rennes-le-Châteur, der einen Graben für die Konstruktion einer Mauer zog, eine Steinplatte entdeckt, die bevor er sie aufrichtete, eine Grube mit menschlichen Knochen verschlossen hatte.

Das war ein Haufen Überresten von menschlichen Skeletten das von vier Seiten von grossen Feldsteinen (Steinplatten) umgeben war. Die Tiefe dieses Grabes  kann nicht mehr verifiziert werden, weil man sich beeilte die Platten wieder auf das Grab zu legen; so gross ist der Respekt die unsere Bevölkerung für die Gräber der Alten hat. Der Ort wo man diese Entdeckung gemacht hat, heisst im Patois (südfranzösischer Dialekt, a.d.Ü.) La Capello, die Kapelle. (a.d.Ü.: d.h. also ausserhalb des Ringes um RlC, Nähe Wasserturm, kann auf der Karte von Jarnac gesehen werden).

Es gab also an diesem Ort ein religiöses Gebäude und eine Grabstätte, das eine wie das andere sehr alt. (antik)

Wenn wir also Beweise für unsere Meinung suchen, dass die Stadt von Rhedae west-gotischen Ursprungs ist, dann finden wir davon Diverse.

 An erster Stelle, stellen wir fest, dass die kürzliche Entdeckung in der Nähe von Rennes-le-Château von mehreren isolierten Gräbern oder (Gräber)Gruppen im Talgrund, die gleiche Form haben wie das Grab, das man bei La Capello entdeckt hat, das heisst aus nebeneinander gestellten rohen Steinplatten; die Wände und der Deckel formen eine Imitation eines merowingischenen Grabes. Oder, die Errichtung von merowingischen Grabmahlen, die im Norden und im Zentrum Von Frankreich existierten, weisen zurück auf eine Epoche die derjenigen der Wohnsitznahme der Westgoten in der Narbonnaise entspricht.

Wir haben zudem bemerkt, und dies als Hinweis auf einen west-gotischen Ursprung, dass die Befestigungen die sich im Umkreis der Festung von Rhedae befanden eiförmig waren und die durch das jetzige Dorf ersetzt wurden. Zudem finden wir einen letzten Hinweis in der Ähnlichkeit der Zitadelle die in Rhedae existierte und derjenigen von Carcassonne.

 Es ist unmöglich seit dem Anfang der Herrschaft Rhedae zu präzisieren was hier geschah. Nichts desto trotz, kann man annehmen –und dies mit grosser Wahrscheinlichkeit-, dass seine Anfänge nicht so bescheiden waren, wie diejenige von bestimmten Städten und bestimmten Bevölkerungs-Zentren des Mittelalters, wie Dörfer und Höfe deren Entwicklung oftmals eingeschränkt und nicht von Dauer war.

 Tatsächlich, es weist alles darauf hin, dass das Camp der Westgoten, vor allem anfänglich, eine Siedlung mit grosser Bedeutung war. Dies ist nicht der Punkt hier, von abenteuerlichen Nomaden die ihre Zelte hier aufpflanzten zu erzählen und die Grundlage für eine Stadt legten, die Jahrhunderte brauchte, um sich zu bevölkern.

 Das war nicht der Entwurf einer Kolonie auf gastfreundlichem Boden mit dem Ziel Bevölkerung anzulocken. Die Stadt von Rhedae war bevölkert, bevor sie kreiert wurde. Die Fuhrwerke wurden auf diesen hervorspringen Punkt manövriert und die Wege der Fuhrwerke sind quasi in den Boden eingegraben. Die Chefs der Westgoten, die herrschten wie die Chefs von Clans heutzutage in der Herzegowina oder in Montenegro, haben ihre Untergebenen zu diesem isolierten Plateau in gebirgiger Umgebung getrieben und hier die Spitzen ihrer Schwerter eingepflanzt, um vom Gelände Besitz zu ergreifen. Diese Besitzergreifung hat keinerlei Ähnlichkeit weder mit dem Prozess der römischen Legionen die gemischte Kolonien gegründet haben –wo aber das Element des Siegers vorherrschte-, noch mit der Invasion der Vandalen, die nichts als Zerstörung im Sinne hatten.

 Dies war die Einwanderung eines Volkes, das kam um seine lebhafte Nationalität mit den Resten der gallischen Rasse zu veredeln, um diese Nation der Gallo-Gothen zu gründen, die so lange Zeit der Dominanz und der Kraft der Franken widerstand. 

IV

Die Stadt von Rhedae ist gegründet. Was wird ihre Rolle in der Geschichte des Südens von Gallien sein?

Das ist es, was wir jetzt untersuchen werden.

Diese Rolle war unzweifelhaft in den ersten Jahren ihrer Existenz von geringer Bedeutung, weil während des Laufs des fünften Jahrhunderts die Westgoten, Beherrscher von Toulouse das ihre Hauptstadt war, ihre Eroberungen bis zur Rhone und der Loire ausdehnten.

Welche Rolle konnte also eine Siedlung haben, die sich in einer Umgebung befand, wo es keinerlei Feinde gab? Als Kriegsplatz hatte sie keine grosse Nützlichkeit. Als Agglomeration von Einwohnern war sie weit davon entfernt die Annehmlichkeiten von Carcassone und Narbonne, ihren Nachbarstädten, zu bieten. Das war, vielleicht, während dieser ersten Phase ihrer Existenz, nur eine grosse Einrichtung, halb Camp halb Stadt, umgeben von primitiven Verteidigungsanlagen aus Balken und Pfählen wie dies in unseren Tagen in gewissen Gegenden von Amerika noch der Fall ist.

Es war am Anfang des sechsten Jahrhunderts als die Herrschaft die den Namen Rhedae trug, sich in einen kompletten Kriegsplatz verwandelte. Nach der Schlacht von Vouille, in der Clovis (Chlodwig, a.d.Ü.) der die religiöse Frage wegen seinem Ehrgeiz stellte, die Westgoten unter dem Vorwand den Arianismus zu bekämpfen zermalmte, war die Bestimmung von Gallien komplett verändert. Die Nation der Westgoten wurde zurückgetrieben bis zum Fuss der Pyrenäen und Gallien kam unter die Macht der Franken. Die abnehmende Dominanz der Besiegten liess nur nach schweren Kämpfen nach. (a.d.Ü. der letzte Satz ist sehr frei übersetzt, aber irgendwie gibt er nur so einen Sinn). Grosse Schlachten fanden statt in dieser ausgedehnten Ebene die sich zwischen Toulouse und Carcassone ausbreitet, denn die erste dieser Städte (Toulouse) war die Hauptstadt und die zweite beherbergte eines der hauptsächlichsten Arsenale von Alarich II. Im Jahr, das auf die Schlacht von Vouillé folgte, widerhallten die Echos der Corbières und der Schwarzen Berge oftmals vom Kriegsschrei der Soldaten von Clovis, antwortend auf die Beschwörungen in der Abenddämmerung, wie Melopee in der Antike, durch die westgotischen Armee. Beim Berg, der den Namen des unglücklichen Königs trägt, dem Mont Alarich, in der Nähe von Lagrasse gelegen, war das letzte Kampffeld wo die besiegte Nation ohne Erfolg sich zum letzten Mal verteidigte: Aber der Kampf war noch nicht zu Ende.

Die Westgoten wurden nach Spanien vertrieben, behielten aber einen Fuss in Gallien. Sie behielten, ausser dem Roussillon, einen (Gelände-)Fetzen der Narbonnaise. Dieser Fetzen bestand aus allen Territorien vom Norden bis zu den schwarzen Bergen erstreckten und von dort bis zur Rhone, im Westen bis zum Fluss Atax. Carcassonne befand sich im Zentrum dieses Besitzes. Carcassonne war im doppelten Sinne Grenzstadt; da sie die zwei äußersten Punkte der „Gotik“ (Gothie – das Land der Goten; a.d.Ü.)  bewachte gegen Norden und gegen Westen.

Das Königreich der Westgoten, das Toledo zur Hauptstadt hatte, die stolze spanische Stadt. Narbonne war der Hauptort dieser neuen Provinz, die Septimanien genannt wurde und Carcassone wurde Sitz der Diözese dieser Provinz.

Der Fall der Westgotischen Dominanz in Gallien war die Morgendämmerung der Kraft von Rhedae. Plaziert auf einem wichtigen Gelände, das das linke Flußufer der oberen Aude beherrschte und das das Tal des Salz dominierte, das der große Weg zu den Corbières war, erlangte diese Ortschaft unverzüglich eine große Wichtigkeit als Wächter der Wege und der Grenzen. Die Westgoten schätzten ihn als einer ihrer stärksten Kriegsplätze. 

563, als Folge der politischen Kriege und auch der religiösen Fehden die provoziert wurden durch die Häresie der Sabellin, wurde König Hiperic, nachdem er sich zweier Brüder entledigt hatte, Chef eines ausgedehnten Territoriums, das keine anderen Grenzen hatte als der Lauf der Aude von den Pyrenäen bis Carcassonne dann die schwarzen Berge und die Cevennen und endlich eine Linie, von den Cevennen ausgehend zum Mittelmeer führend bis zu einem Punkt in der Nähe des Hafens Adge, der sich in der Gewalt der Westgoten befand. Die Provinz Septimanien wurde durch die Eroberung des französischen Königs um etliches verringert.

Es ist deshalb von großer Wichtigkeit, daß während dem sechsten Jahrhundert Septimanien an die West-Seite des Flusses Atax grenzte und als Konsequenz eine Verteidigungslinie etabliert werden mußte durch die West-Gotischen Könige auf dem rechten Ufer dieses Flusses. Rhedae wurde also eine bedeutende Stadt. Sie war von Wällen umgeben und flankiert von zwei Zitadellen. Sie war an der Hauptstrasse der Provinz und wurde das Zentrum der Region, der Hauptort einer Diözese mit ihrem Namen und nannte sich Rhedesium.

Aber Rhedae konnte nicht ein isolierte Punkt sein, nur mit der Verteidigung einer langen Frontlinie betraut, die sich von Carcassonne bis zum Herzen der Pyrenäen erstreckte. Das Flußufer wurde mit Festungen versehen, die von Rhedae abhängig waren. 

Diese diversen Kriegsplätze, alle um die Wege und Defilees zu bewachen, formten um Rhedae einen undurchdringlichen Gürtel. Sie bedeckten Rhedesium vom Ufer der Aude bis zur Diözese Narbonne.

Wenn man sich Rechenschaft abgibt über die Situation der Westgoten nach der Eroberung durch Chlodwig, wenn man sorgfältig untersucht mit welcher Energie sie Widerstand leisteten während des VI. und VII. Jahrhundert gegen die Unternehmungen der französischen Könige, und schließlich wie sie sich mühten diesen Geländefetzen, genannt Septimanien, zu halten, dann versteht man die bedeutende Rolle die Rhedae während dieser Epoche spielt, Rhedae das so gut gelegen war, um Widerstand zu leisten.

Wenn es noch einen Beweis bräuchte um dazulegen, daß Rhedae eine der wichtigsten Städte der Provinz war, dann finden wir den in der Passage des Gedichtes von Theodolph das wir zitiert haben:

“Inde revidentes te, Carcassonna, Rhedasque. Menibus inferimus nos, cito, Narbo tuis".

Die Stadt, die der Prälat zwei mal besuchte als Kommissar im Auftrag von Karl dem Grossen, und die er zur gleichen Zeit wie Carcassonne nennt, musste eine bemerkenswerte Position in Septimanien eingenommen haben. 

V

Wir kommen nun dazu das Andenken an Rhedae zu rekonstruieren und unseren Lesern zu präsentieren, was war im VII. Jahrhundert.

Die Stadt entwickelte sich auf einem Gelände, das man mit demjenigen vergleichen kann, das Carcassone mit seinen Boulevards in Anspruch nimmt. Es war umgeben von einer doppelten Mauer-Wall. Sie war westlich von Graben (Abgrund) umgeben, der den Zugang unmöglich machte. Im Norden war sich durch ein starke Rampe mit einer Festung verbunden, die den Platz des heutigen Dorfes einnahm und das man “Castrum Rhedarium” oder “Castrum de Rhedae” nannte. Die Ostseite, die die einzig zugängliche war, wandte sich Teil einer riesigen Ebene zu, die gute Tarnung bot, da ja noch heute der grösste Teil wildes Land ist, bedeckt mit Heide und Büschen.  Eine zweite Festung, von der keine Reste mehr übrig blieben, erhob sich auf der Südseite, mit einer Distanz von ca. 5 Meter zum Wall. Diese Festung war auf einer Kuppe erbaut und aus rotem Marmor, der einen signifikanten (bedeutsamen, aussagekräftigen) Namen hat. Diese Kuppe die die umgebende Ebene, genannt “le Casteillas” dominiert, ein Wort aus dem Patois das grosses Schloss bedeudet. Sie ist von der Stadt getrennt, duch einen einen tiefen künstlichen Einschnitt im Gelände, durch den sich die Wasser des Baches ergiessen konnten der die Ebene von Ost nach West durchquert.

Die Stadt besass zwei Kirchen, eine unter dem Namen der heiligen Jungfrau die andere unter dem Namen Johannes des Täufers. (a.d.Ü. es ist von der heiligen Jungfrau, d.i. Maria, Mutter Jesu, und nicht von Maria Magdalena!)

Man kann sich ungefähr eine Idee machen von der Anzahl der Zivil- und Militär-Bevölkerung machen, die da eingeschlossen war in diese Stadt mit seinen zwei Zitadellen, durch eine lokale Überlieferung die sagt, dass in Rhedae vierzehn Metzgereien existierten.

Überreste von Amphoren und römische Medaillen die man gefunden hat auf verschiedenen Punkten des Geländes wo, gemäss uns, die Stadt gestanden hat, zeigen die westgotische Dominanz die die ganze Entwicklung während des VI. und VII. Jahrhunderts nahm. Die Resten von Bauten gefunden an verschiedenen Stellen und die Konfiguration des Bodens sind ebenfalls starke Hinweise um sich Rechenschaft zu geben, über die Dimensionen dieser wichtigen Stadt.

Die Tradition sagt, dass sich ein befestigtes Männerkloster in der Nähe des Stadteingangs auf der Ostseite der Stadt befand.

Das Schloss von Rhedae, die Zitadelle im Norden der Stadt, nahm das ganze Plateau in Anspruch auf dem das heutige Dorf steht. Nur hat das Dorf grosse Grünflächen auf zwei Dritteln der Fläche des Plateaus. Weder die Zeit, noch die Menschenhand haben die Form dieses massiven Felsen verändern können der die Form eines abgeschnittenen Kegels hat, der die Ebene von allen Seiten dominiert. Die Felsenfundamente die die Ringmauern trugen, haben den Jahrhunderten widerstanden und die Regelmässigkeit ihrer architektonischen Formen zeigt, dass die Arbeiten von kompetenten Leuten durchgeführt wurden denen zugute kam, dass die Natur mit diesen Felsen die Basis für eine doppelte Steinmauer lieferte. Die antiken Bastionen sind verschwunden, die Gräben aufgefüllt, aber man sieht noch immer intakt diesen kollosalen Steinkranz aus Felsen der das Oval der Befestigungen bildete.

Die Zitadelle hatte zwei Eingänge, einer im Osten der sich zur Landschaft öffnete und einer im Süden der den direkten Weg zur Stadt mittels einer starken Rampe darstellte.

Am Beispiel der römischen Städte waren die westgotischen Städte, selbst wenn sie Kriegsplätze waren, unterteilt in Quartiere mit spezialisierten Tätigkeiten. Sie setzten sich also oft zusammen aus einer oder zwei Städten innerhalb der Stadtmauer, einer oder zwei Zitadellen innerhalb der Zitadelle. Wir finden ein Beispiel bei der Stadt Carcassonne. Die Zitadelle von Rhedae hatte gleiche Bedingungen. Sie war unterteilt in drei Quartiere die noch im heutigen Dorf existierten und die die gleichen Namen ins Patois übersetzt tragen. Das erste hiess „Castrum valens“ war auf der Ostseite und heisst heute „Castel de balent“. Das zweite, in der Mitte gelegen, hiess „Castrum Salassum“, man nennt es „La Salasso“. Schlussendlich das dritte, mit „Capella“ bezeichnet, heisst heute „La Capello“.

Das erste Quartier, „Castrum Valens“ genannt, hatte seinen Namen von einem befestigten und bewehrten Tor,  das an der Ostseite der Zitadelle war, das heisst auf der Seite, die am meisten gegen Angriffe der Feinde exponiert war, weil es sich gegen die Ebene richtete.

Dasjenige das man heute Salasso nennt ist heute ein Kornfeld eine Plattform bildend die auf der Südseite durch eine schräge Böschung mit der Ebene auf der die Stadt stand verbunden ist. Wenn man in der Erde von Salasso gräbt findet man Mauerwerk, das darauf hinweist, dass hier ein anderes Schloss (Festung) stand. Die lokale Überlieferung bestätigt die Existenz dieser Befestigung, die die Stadt mit der Zitadelle verband. Diese Überlieferung fügt hinzu, dass nach der Zerstörung der Stadt die Zitadelle, die in gutem Verteidungszustand war, noch mehrere Jahrhunderte existierte.

Im Fort von Salasso war ein Pulvermagazin und während eines Brandes explodierte dieses Magazin und zerstörte ein ganzes Quartier und einen Teil der Wälle.

Schlussendlich bemerkt man im dritten Quartier, genannt la Capello, die Überreste einer alten Kirche.

Die Befestigungen, die Rhedae umgaben sind nicht völlig verschwunden. An gewissen Punkten hat der gewachsene Fels die Unebenheiten bewahrt, die davon kommen, dass sie das Fundament für Mauern aus kubisch behauenen Steinen waren mit 24 bis 25cm Seitenlänge. Ein zweiter Ring aus ähnlichen Materialien konstruiert erhob sich einige Schritte von der ersten entfernt, aber man findet davon kaum mehr Spuren. Das ist alles was übrig geblieben ist von der primitiven (=ursprünglichen) Befestigung der Zitadelle der Westgoten. Der erste Befestigungsring wurde wieder aufgebaut nach dem Albigenserkrieg und ein Teil dieser neuen Mauern existiert noch stellenweise und lässt die westgotischen Wälle durchschimmern.

Eine unterirdische Quelle, in Form einer Zisterne hat ihren Ursprung unter den Nordwällen, sie versiegt nie.

Dies ist das Bild in der Vergangenheit das die Zitadelle von Rhedae bot, eine zweite Stadt an der Seite der ersten bildend. Das war die Stadt in der Höhe, die die Stadt in der Tiefe dominierte und sie effizient beschützen konnte.

Über die zweite Festung, die auf dem Höhenzug lag und den Namen Casteillas hatte, hat uns die Überlieferung nichts hinterlassen. Wir wissen nur, dass anlässlich der Zerstörung von Rhedae die Feinde sich zuerst Casteillas bemächtigten und von diesem erhöhten Punkt aus ihre Attacken auf die Stadt steuerten.

VI

Nachdem wir das Bild untersucht haben, das im VII. Jahrhundert die Stadt Rhedae und seine Zitadelle und sein Schloss oder Festung bot, bleibt uns zu untersuchen, welche Rolle die Hauptstadt von Rhedesium während der Westgotenzeit spielte.

Die Stärke der Westgotenkönige, schon durch ihren Aufstand gegen Chlodwig demonstriert, erhielt ihren letzten Schliff, als der Sieger von Tolbiac sich 508 zum Herrscher von Toulouse machte. Sein Sohn Childebert setzte den Krieg fort aber er konnte die Sieger nicht völlig über die Pyrenäen zurückdrängen. Er konnte nicht mal Carcassonne attackieren, das Chlodwing widerstanden hatte. Vielmehr die Armeen des Frankenkönigs kreisten die Westgoten am Ende ein, nachdem sie durch ganz Gallien gejagt worden waren nachdem  Alarich II in der berühmten Schlacht die seinen Namen trägt, getötet wurde und sein Sohn Amalric von seinem Grossvater Theodorich, König der Ostgoten, nicht genügend unterstützt wurde. Die Heirat des jungen Amalric mit der Prinzessin Clothilde, Tochter von Chlodwig, beendete den langen Krieg.

Von ihrem ehemaligen Königreich in der gallischen Narbonnaise konnten die Westgoten nur die Provinz Septimanien halten und auch diese Provinz nur mit eingeschränkten Grenzen.

Es war in dieser Epoche (501) als Rhedae begann eine bedeutende Rolle zu spielen. Die Franken hatten den Westgoten die befestigten Städte von Toulouse und Uzès weggenommen. Toulouse war die Metropole der Provinz Gothien und gleichzeitig die Hauptstadt des Königreichs. Der Sohn von Alarich II wählte Narbonne als Metropolstadt, nachdem er die Hauptstadt nach Toledo verlegt hatte. Da er wollte, dass die Provinz Septimanien sieben Diözesen bewahrte, richtete er zwei neue (Diözesan-)Städte ein, um Narbonne und Uzès zu ersetzen. Er wählte Elne und Rhedae, aber einem römischen Brauch folgend, wurden diese zwei Städte umbenannt. Während die Stadt Elne, bisher Helena genannt, den Namen Citivas Elnensis bekam, wurde aus Rhedae Citivas Attacensis, die Stadt des Flusses Atax oder des Gebietes von Atax.

Die Historiker haben nur eine vage Intuition von diesen Namensänderungen und da sie sich nicht auf die Bedeutung des Wortes Citivas Attacensis einigen konnten, haben sie uns dieses Problem ungelöst gelassen. So gehen die Meinungen von CATEL und von BESSE, die eine Passage von SCALIGER diskutieren abwechselnd auseinander bezüglich der verschiedenen Interpretationen ihrer Vorgänger. Sie erkannten, dass es sich nicht um Carcassonne handeln konnte, das seit langer Zeit eine Stadt erster Klasse war, auch nicht um Limoux, das um Längen nicht diese Ambitionen hatte, aber sie enthielten sich einer Schlussfolgerung. Sie haben nicht an Rhedae gedacht, das neueren Datums war und darum ist es folglich die Stadt von Rhedae, die in diesem Werk den Namen Citivas Attacensis trägt. Wir unterlegen diese Behauptung mit diversen Beweisen.

Zuerst, Rhedae war der Hauptort einer grossen Gegend, die ihren Namen „Land von Rhédez“ trug. Ausserdem wurde Rhedae zu dieser Zeit Bischofsstadt, weil das Land von Rhédez zur Diözese erklärt wurde, ein Brauch der von der römischen Administration stammt, die jeweils ein Gebiet  benannten, wenn dieses eine eigene Regierung hatte.

Als der König Reccared, nachdem er dem Arianismus abgeschworen hatte, die Bischöfe von Septimanien einsetzte, fragte er sich, ob er den Bischof in Rhedae plazieren sollte, aber der Prälat der den Sitz von Carcassonne innehatte opponierte dagegen und bestand darauf Bischof von Carcassonne und Rhédez zu bleiben.

Man kreierte also in Rhedae nur eine Archidiakonie die von einem Domherrn von Carcassonne regiert wurde.

Nichts desto trotz, die Idee einer Kreation eines Bischofssitzes für Rhedae vollzog sich später. Auf dem Konzil, das 788 in Narbonne abgehalten wurde, schlug der Bischof von Elne, Wanderius, vor, dass Rhedae Diözesan-Stadt werde und Hauptort einer Grafschaft das seinen eigenen Bischof haben müsste, anstatt eine Dependance des Bischofs von Carcassonne zu sein.

Diese Bitte wurde nicht erfüllt, aber eine Entscheidung des Konzils war es, die Diözese von Rhedae von Carcassonne loszulösen und in spiritueller Hinsicht dem Erzbischof von Narbonne zu unterstellen, der Primas von Gallien war.

Der Bischof von Carcassone war gut beraten, als er unter König Reccared insistierte dass die Diözese Rhedae mit derjenigen von Carcassonne vereinigt bleiben solle. Tatsächlich, unter König Wamba im Jahre 680 wurde der Episkopalsitz von Carcassonne durch einen arianischen Bischof besetzt, der durch diesen König unterstützt wurde, und der orthodoxe Prälat etablierte seine Residenz in Rhedae, von wo aus er beide Diözesen verwaltete.

VII

Wir kommen nun zur Betrachtung der Situation von Rhedae unter dem religiösen Aspekt zur Zeit der Westgotenkönige. Es bleibt uns zu untersuchen unter welchem administrativen Regime diese Stadt und sein Gebiet  während dieser Epoche standen. Während der ersten Zeiten nach der Gründung dieser Kriegs-Stadt, war sie unter der Autorität des Grafen oder des Konsuls der an der Spitze der Diözese Carcassonne stand und wurde durch einen Vize-Konsul regiert, der den Titel Vic Arius trug aus dem später der Ausdruck „Viguier“ (Verweser) hervorging. Als diese Stadt in den Rang einer Reichsstadt durch König Alarich erhoben wurde, wurde die Gegend von Rhedae zu einer Grafschaft und hatte zur militärischen und zivilen Regierung einen Grafen oder Konsul.

Diese Institution wurde gegen Ende des 8. Jahrhunderts durch König Wamba bestätigt als er die Diözesen von Septimanien reorganisierte und deren Grenzen fixierte.

Die Grafschaft der Diözese von Rhedae grenzte auf der Südseite an die Diözese von Urgel, im Osten an die Diözesen von Elne und Narbonne und im Norden an die Grafschaft von Carcassonne. Auf der Westseite war Grenzland, weil der Fluss Atax die Grenze zum Königreich der Franken bildete.

Es gehört sich über diese Frage der Grenze zwischen den zwei Königreichen länger nachzudenken, als dies einige Historiker gemacht haben. Es war nicht strikte der Lauf des Atax der die Grenze zwischen den Territorien der Franken und der Westgoten bestimmte. M.CROS-MAYREVIELLE in seiner Geschichte der Grafschaft von Carcassonne lernt uns, dass die Grenzen die das Carcassez von Aquitanien trennten vom Norden und Westen bei den Forts Cabardés und Montréal lagen, die beide den Westgoten gehörten. Wir haben allen Anlass zu glauben dass die Schlösser der Westgoten von Alayrac, Rouffiac und Cépie auch eine Aussengrenze waren, auf dem linken Ufer der Aude in der Grafschaft von Carcassonne.

Was die Grafschaft von Rhedae betraf, war sie geschützt auf dem selben Ufer des Flusses durch die Türme oder Schlösser von Cornanel, Roquetaillade, Antugnac und Brenac die die Westgoten konstruiert hatten um sich gegen ihre ungeliebten Nachbarn abzusichern.

Ab dem Tal von Brenac das das Ufer der Aude mit dem Land des Sault verbindet, wendet sich die Grenze nach Westen dann wendet sie sich gegen Belesta und erreicht in Spanien das Gotische Königreich. Das Land des Sault, das Donazan und das Capcir befinden sich als Enklaven ganz in der Grafschaft Rhedae.

So war also die Situation der Diözese von Rhedae als die Invasion der Sarazenen der Herrschaft der Westgotenkönige ein Ende machte und die Bestimmungen der Stadt Rhedae sich veränderten.

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