Noël Corbu

Vorwort von  Olaf Jacobskötter :

 

Es heißt, der bloße Zufall hätte Noël Corbu samt seiner Familie in den kleinen Ort Rennes-le-Chateau geführt. Noch größere Verwunderung löste dann aus, dass Ihnen Marie Dènarnaud, die Haushälterin von Abbè Sauniere auch Ihre Tür öffnete. Noël Corbu schien die ältere Dame durch sein korrektes und sehr höfliches Auftreten beeindruckt zu haben, ganz im Gegensatz zu den anderen Leuten, die sie ständig belästigten, um von ihr etwas über das Geheimnis des Abbè Sauniere in Erfahrung zu bringen.

Er war Doktor der Wissenschaften und stammte mütterlicherseits von den Waldeck-Rousseaus und den spanischen Bourbonen ab. Väterlicherseits war er mit den Cartimprès  verwandt. Da er das Vertrauen von Marie erwarb, durfte die Familie Corbu in der von Abbè Sauniere erbauten Villa Bèthania wohnen.

Im Juli 1946 machte Marie Dènarnaud, per Testament, Noel und Henriette Corbu zu ihren Universalerben.

Nach einem Aufenthalt in Marokko eröffnete Noël Corbu das Restaurant „La Tour“ in Rennes-le-Chateau um seine Familie zu ernähren. Mit der Geschichte um den Schatz des Abbè Sauniere sowie der bewegenden Geschichte des kleinen Ortes versuchte er genügend Besucher anzulocken.

Er stützte sich dabei auf die überlieferte Aussage von Marie „ Machen Sie sich keine Sorgen, mein guter Noël ! Eines Tages werde ich Ihnen ein Geheimnis anvertrauen, das aus Ihnen einen reichen, sehr reichen und mächtigen Mann machen wird! „

Daraufhin ließ Noël Corbu das nachstehende Tonband in seinem Restaurant „La Tour“ abspielen, das hier das erste mal in deutschsprachiger Übersetzung vorliegt.

Der Leser des Textes sollte sich vor Augen halten, das es sich dabei einerseits um wahrhaftes geschichtliches Geschehen und andererseits um einen Werbetext für sein Restaurant handelt.


 

Text des Tonbands von Noël Corbu :

Die Geschichte von Rennes-le-Chateau (r-l-c) verliert sich im Dunkel der Zeiten.

Man kann ohne Zweifel sagen, dass dieses Plateau immer schon besiedelt gewesen ist. Einige Historiker haben geschrieben und festgelegt, dass r-l-c eine Gründung der Westgoten aus der zeit um das 5. Jahrhundert sei. Das ist absolut widerlegt durch die Menge von viel älteren Spuren, die man im Boden gefunden hat und die aus prähistorischer, paläolithischer oder neolithischer, iberischer, gallischer und gallo-römischer Zeit stammen. Ihre Fülle und ihre Verschiedenheit bezeugen unstrittig, das r-l-c schon lange vor den Westgoten eine große Stadt gewesen ist.

Andere Historiker denken, dass r-l-c die Hauptstadt der Soclates gewesen sei, eines sehr starken gallischen Volksstammes, der Cäsar lange Zeit in Schach gehalten hat. Letzterer redet in seinen „Kommentaren“, wo er vom Fall ihrer [der Soclates] Hauptstadt berichtet, über das umgebende Land, und seine Beschreibung stimmt exakt überein mit dem Panorama, das man von r-l-c aus sieht: den Pic [berg] de Bugarach im Südwesten, den Pic de Cardou im Osten, die Terre de Becq und das Plateau des Fanges im Süden, die Aude und ihre Mäander im Westen und ihre Täler in der Richtung auf Alet und Carcassonne. Da fehlt nichts, und man kann vernünftigerweise daraus schließen, dass r-l-c, bevor es eine mächtige Kapitale der Westgoten wurde, eine gallische kapitale, dann eine große gallo-römische Stadt, und mit Sicherheit vor dieser Epoche eine große prähistorische Siedlung gewesen ist.

warum hatte r-l-c durch alle diese Zeiten hindurch eine so große Bedeutung?

1.  Wegen seiner geografischen Lage, die alle Täler beherrscht: das der Sals [Fluss], die von r-l-c und Narbonne herkommt, das der Aude [Fluss], das in Richtung Carcassonne und Sijean weist, und das in Richtung Puivert und Chalabre, und dasjenige, durch das man von r-l-c bis nach Spanien gehen konnte, bevor die Strasse über [durch] den pass von Pierre-lys gebaut [gestochen] wurde. Die Straße r-l-c nach Spanien ist sicherlich ein romanischer weg gewesen, weil man noch gepflasterte Abschnitte gefunden hat, und an dem Platz, den man „la rode“ nennt, hat man ein bronzenes Rad und die Deichsel eines römischen Wagens gefunden, die sich jetzt im Museum von Toulouse befinden.

2.  Wegen der vielen Quellen, die unterhalb dieser Bergkuppe, Wasser im Überfluss spenden und die nie versiegt sind.

3.  Wegen seines temperierten Klimas, das hier weniger kühl und, mit Ausnahme von Feuchtigkeit und Nebel im Winter, weniger heiß ist als in den Tälern.

Diese drei Punkte machten aus r-l-c einen Privilegierten Platz, eine Art Oase in dem Becken, das es beherrscht.

Seit dem 5. jahrhundert ist r-l-c, das sich RHAEDE nannte, eine großen Stadt. Als westgotische Kapitale von Razès hatte es mehr als 30.000 Einwohner. Die Rue des Bouchers beherbergte davon allein 18.000. Seine Bedeutung war so groß, dass die Bischöfe, die Karl der Große zur Evangelisation beauftragt hatte – die Westgoten hatten lange vor der Ketzerei die christliche Häresie der Arianer angenommen oder: waren schon lange vorher der Ketzerei, (nämlich) dem Arianismus verfallen, in ihren Berichten an den Imperator nur diese zwei Städte erwähnten: Rhaede und Narbonne. die Zitadelle von Rhaede nahm damals eine dreimal so große Fläche wie das heutige Dorf ein. Es gab 7 Turnierplätze.

Die Stadt erstreckte sich im Süden bis zur nächsten Bergkuppe, auf der eine weitere Festungsanlage erbaut war, die man Castella nannte. Und noch eine Wallanlage schützte Rhaede: das sind die Schlösser Coustaussa, Blanchefort, Arques, Bézu, Caderonne und Couiza.

Der Niedergang von r-l-c beginnt mit den Albigenserkriegen. Teilweise zerstört, wurde es unter der Herrschaft von Saint-Louis [= Ludwig IX.] wieder aufgebaut. Philipp der Kühne trieb das Werk seines Vaters voran, und man kann sagen, dass im 13. Jahrhundert, als der Ort nicht mehr die Bedeutung wie vorher hatte, immerhin die Zitadelle noch stand und gewaltig [mächtig] war. Aber eine ziemlich verwickelte [verwirrende] Geschichte vom Verkauf des Territoriums von Rhaede an den König von Kastilien hatte zur Folge, dass die Spanier in die Septimanie [= das Languedoc] einmarschierten, um ihren Erwerb zurückzuerobern, und Rhaede dabei zum ersten mal zerstörten [zum ersten Mal?? Versteh ich nicht, der Ort war doch in den Albigenserkriegen schon einmal zerstört worden; vielleicht ist jetzt nur die Zitadelle gemeint?]. Nur zu Teilen wieder aufgebaut, erlebte es seine zweite Zerstörung im Jahr 1370. Das war das Ende. Rhaede erstand nicht wieder aus seinen Ruinen: nach und nach siedelten die Einwohner in die Täler um, und Rhaede, aus dem Rennes-le-Chateau wurde, war nur noch ein kleines Dorf anstelle der stolzen Stadt mit 30.000 Einwohnern.

Rennes-le-Chateau wäre sicherlich ganz in Vergessenheit geraten, wenn ein aus Montazel, in der Nähe von Couiza stammender Priester hier nicht am 1. Juni 1885 seine Pfarrstelle angetreten hätte. Sieben Jahre lang führte Abbé Béranger Saunière hier das Leben eines armen Landpfarrers, und in seinen Archiven, in seinem Haushaltsbuch, kann man unter dem 1. Februar 1892 lesen: „ich schulde Léontine 0,40 fr; ich schulde Alphonsine 1,65 fr“, und seine Ersparnisse, die er seine „geheimen Fonds“ nennt, belaufen sich um diese Zeit auf 80,65 frs.

In diesem selben Februar 1892 – der Hauptaltar seiner Kirche war in sich zusammengebrochen – hatte er den Rat der Gemeinde um Hilfe für die Instandsetzung des Altars gebeten, die ihm auch gewährt wurde. Beim Abbau des Altars fanden die Arbeiter in einem der Pfeiler hölzerne Behälter, in denen Pergamente lagen. Der sofort herbeigerufene Abbé nahm die Pergamente an sich, und irgendetwas muss seine Aufmerksamkeit gefesselt haben, denn er ließ die Arbeiten umgehend einstellen. Am nächsten Tag fuhr er fort, man sagt, nach Paris, aber dafür gibt es keine Belege.

Nach seiner Rückkehr ließ er die Arbeiten wieder aufnehmen, aber er ließ nicht nur den Hauptaltar, sondern die ganze Kirche herrichten, und danach nahm er den Friedhof in „Angriff“, wo er oft allein arbeitete.

Er zerstörte sogar das Grab der Comtesse von Hautpoul-Blanchefort und kratzte eigenhändig die Inschriften von der Grabplatte.

Der Rat der Gemeinde beriet sich über die Sache und verbot ihm die Arbeit auf dem Friedhof, aber das Unglück war schon geschehen, denn dieses Grab dürfte einen Hinweis enthalten haben [gemeint ist wohl: für uns heute]. Er [der Abbé] ließ um den Garten vor der Kirche Mauern bauen; in einem anderen kleinen Garten benutzte er einen prächtigen, in westgotischem Stil gehaltenen Pfeiler vom Altar, den er beschädigte, indem er „Mission 1891“ in ihn eingravieren ließ, um N.D. de Lourdes zu unterstützen. Er ließ das gesamte Pfarrhaus restaurieren; dann, 1897, befahl er den Neubau des Hauses(Villa), des Turmes, des Rundweges, des Wintergartens, und alles das kostete ihn 1900 eine Million, was heute 250 Millionen wären. er richtete das Haus und den Turm prunkvoll ein. Sein Lebensstil war fürstlich. Der Abbé Saunière empfing jeden, der kam, und jeden Tag gab es ein Fest. Der verbrauch von Rum, den er direkt aus Jamaika oder Martinique bezog, belief sich auf bis zu 70 Liter pro Monat. Von den Likören aller Arten und den Weinen nicht zu reden. Die Enten wurden mit Keksen gemästet, damit sie besonders fein wurden. Er war ein echter Sybarit [soviel wie „Wollüstling“].

Ein Jahr lang bewirtete er Monseigneur Billard, der, wie die Leute in der Gegend sagten, ziemlich zufrieden wieder abfuhr. Monseigneur Billard war über das Leben seines Priesters sehr erstaunt, aber er sagte nichts. Sein Nachfolger Monseigneur de Beausejour allerdings verlangte sofort eine Kostenaufstellung von Abbé Saunière und berief ihn nach Carcassonne, wo er sich rechtfertigen sollte. Der aber wollte nicht reden und gab vor, krank zu sein und deshalb die Reise nach Carcassonne nicht machen zu können. Zur Bekräftigung seiner Aussage legte er Atteste von Dr. Rocher, Arzt in Couiza, vor, falsche Atteste, denn es gibt einen Brief des Dr. Rocher, der im wesentlich dies besagt: „Mein lieber Freund, ich schicke Ihnen hier das erbetene Attest. Es wäre mir ein Vergnügen, Ihnen zur Zufriedenheit gedient zu haben“. Abbé Saunière konnte zwar nicht nach Carcassonne fahren, aber ins Ausland konnte er unterdessen reisen; nach Spanien, in die Schweiz und nach Belgien. Das waren absolut geheime Reisen, und um [den Monseigneur] irrezuführen, hinterlegte er bei seiner Haushälterin und Vertrauten, Marie Dénarnaud, fertige Briefe solchen Inhalts: Sehr geehrte Madame“ oder „Monsieur“ oder „Mademoiselle“, „ich habe ihren Brief richtig erhalten. Bitte verzeihen sie mir, dass ich für lange Zeit nicht antworten kann, aber ich muss an das Sterbebett eines Mitbruders eilen. Auf sehr bald“, Unterschrift „Saunière“. Marie Dénarnaud öffnete die Post, und wenn ein Brief eine Antwort erforderte, tat sei einen dieser Briefe in einen Umschlag und schickte ihn dorthin. Für alle Welt hatte der Abbé Rennes nie verlassen.

Währenddessen aber verschlechterte sich sein Stand. Monseigneur de Beauséjour, der empört darüber war, dass er von seinem Priester keinerlei Auskünfte erhalten konnte, beschuldigte ihn 1911 des Handels mit Messen und enthob ihn seines Amtes. Das war eine Verurteilung in Abwesenheit. Der Vorwurf des Handels mit Messen war nicht stichhaltig, denn Messen kosteten 0,50 fr, das heißt, damit konnte der Abbé seine Ausgaben nicht decken. Aber es war das einzige Mittel, das Monseigneur de Beauséjour hatte, um seinen Priester in die Enge zu treiben.

Abbé Saunière beugte sich dem Urteil nicht und rief sofort den Vatikan an. Er nahm sich zu seiner Verteidigung einen kirchlichen Anwalt, den Kanoniker [Domherrn] Huguet, der auf Kosten der Pfarrei, nach Rom reiste. Der Prozess dauerte zwei Jahre und endete mit einer Einstellung des Verfahrens, der Vertreter der Anklage konnte nichts beweisen. Aber durch den Bischof informiert über die Prachtentfaltung und den Lebensstil des Abbé, verlangte Rom nun seinerseits Erklärungen, die der Abbé abermals verweigerte. Und das war es, warum er dann am 11. April 1915 mit dem Vorwurf der Aufsässigkeit und des beleidigenden Verhaltens gegen seine Vorgesetzten von neuem und nun endgültig seines Amtes enthoben wurde. Indessen ließ man Abbé Sauniére wissen, dass man, falls er öffentlich abbitte leisten würde, eine Strafmilderung in betracht zöge. Man würde sehen.

Aber der gekränkte Abbé wollte von allem nichts mehr hören, weder vom Bischof noch von der Kirche. Schon des Amtes enthoben, hatte er, um dem Bischof zu kontern, das Pfarrhaus für 99 Jahre gemietet. In der kleinen Kapelle, die er sich hatte bauen lassen, las er die Messe, und ein großer Teil der Bevölkerung von r-l-c kam, sie zu hören, während der reguläre, vom Bischof ernannte Priester, der, weil niemand ihn wollte, im vier Kilometer entfernten Couiza wohnen musste, seine Messen in fast leerer Kirche hielt.

Während seines Streits mit der Kirche hatte Abbé Saunière nicht mehr gebaut. Aber als das alles vorbei war, nahm er seine Projekte wieder auf: den Ausbau der Straße von Couiza nach r-l-c auf seine Kosten, weil er vorhatte, sich ein Auto zu kaufen; eine Wasserleitung für alle Einwohner, den Bau einer Friedhofskapelle; den Bau eines Walls rund um r-l-c; den Bau eines 50 m hohen Turms, um zu sehen, wer kommt, mit einer Wendeltreppe im innern, einer die Treppe begleitenden Bibliothek und einer Art Wintergarten auf einer Etage des Turms. Alle Kostenpläne und arbeiten beliefen sich auf 8 Millionen, was heute 2 Milliarden Francs wären. Und am 5. Januar 1917 akzeptierte er die Kostenvoranschläge und gab den Auftrag zu diesen Arbeiten.

Aber am 22, Januar, 17 Tage danach, hatte er sich auf der Terrasse erkältet, bekam einen Herzanfall, der, verkompliziert durch eine Leberzirrhose, zum Tode führte.

Kurzum, er starb an diesem Tag. Man setzte ihn im Salon in einen Lehnstuhl, wo er, bedeckt mit einer Decke mit roten Troddeln, einen ganzen Tag lang ausgestellt wurde. Aus Verehrung für ihn schnitten Leute, die kamen, sich die Troddel ab und nahmen sie mit. Er wurde auf dem Friedhof in dem Grab beerdigt, das er für sich zu bauen begonnen hatte.

Die Familie Saunière war sehr beschäftigt, sein Erbe an sich zu bringen, aber der Abbé Saunière hatte alles geregelt und alles in die Hände seiner Haushälterin Marie Dénarnaud gelegt, und sie war und blieb die rechtmäßige Eigentümerin, so dass die vermeintlichen Erben wie begossene „Pudel“ abziehen mussten.

Marie Dénarnaud, die beim Tod des Pfarrers noch sehr hübsch war, wurde zu einem Inbild der Strenge. Sie zog sich ins Pfarrhaus zurück, lebte absolut einsam und rührte sich nicht mehr von der Stelle. Sie ging nicht ein einziges mal mehr nach Couiza. In all den Jahren weigerte sie sich, das Anwesen zu verkaufen, aber das Alter kam, sie konnte es nicht mehr beaufsichtigen und unterhalten, und so kam es Schritt für Schritt zu Zerstörung und Plünderung. Seltene Bücher, Briefmarken, Kunstwerke, alles wurde gestohlen. Schließlich entschloss sie sich doch und verkaufte ihr Gut 1947 an Herrn und Frau Corbu, die den alten Landsitz in das Hotel „la Tour“ verwandelten.

Zu dem Schatz, den der Priester offensichtlich gefunden hatte und von dem noch ein großer Teil existieren dürfte, geben uns die Archive von Carcassonne Auskunft: Blanche von Kastilien, die Mutter des heiligen Ludwig und Regentin Frankreichs während der Kreuzzüge ihrer Söhne, hielt Paris als Ort für die Aufbewahrung des königlichen Schatzes für zu unsicher, weil die Barone und die kleinen Leute gegen die königliche Macht revoltierten. So kam es zu dem berühmten Aufstand der Pastoureaux [Pastorellen]. Sie ließ daher ihren Kronschatz von Paris nach Rennes schaffen, der (Schatz) ihr gehörte, schlug dann den Aufstand nieder, hatte damit erfolg und starb wenig später. Der heilige Ludwig kam vom Kreuzzug zurück, reiste gleich wieder ab und starb in Tunis. sein Sohn, Philipp der Kühne, dürfte den Aufenthaltsort des Schatzes gekannt haben, denn er interessierte sich sehr für Rhaede und ließ zahlreiche Festungsanlagen bauen. Man findet auch an manchen Stellen des Fundaments des Turms Strebepfeiler [oder Vorsprünge], die für seine Zeit typisch sind. Aber nach ihm [wörtlich:] gab es ein Loch [kann heißen: im Staatshaushalt, aber vielleicht auch: in der Überlieferung] und Philipp der schöne musste viel Falschgeld prägen, denn der Kronschatz war verschwunden. Man kann annehmen, dass er das Versteck nicht kannte.

Der Schatz wurde zweimal gefunden: 1645 fiel ein Schäfer mit Namen Ignace Paris, während er seine Schafe hütete, in ein Loch und kam mit einer Mütze voller Goldstücke in seine Hütte zurück. Er erzählte, er hätte einen Saal voller Goldstücke gesehen und wurde verrückt bei der Verteidigung der Stücke, die er mitgenommen hatte. Der Burgherr suchte mit seinen Garden die Umgebung der Stelle, wo der Schäfer hineingefallen war, vergeblich ab; der Zweite war dann der Abbé Saunière mit den Pergamenten.

Nach den Auflistungen der Archive besteht der Schatz immer noch aus 18,5 Millionen in Goldstücken, was einem Gewicht von ungefähr 180 Tonnen entspricht, und aus zahlreichen Juwelen und religiösen Gegenständen. Sein Wert entspricht, nach diesen Auflistungen, mehr als 50 Milliarden. Aber wenn man seinen historischen Wert zugrundelegt – ein Goldstück aus dieser Zeit ist 420.000 Francs wert – kommt man auf einen Gesamtwert von ungefähr 4000 Milliarden.

(Heute ca. 650-700 Mrd. €, Anm. O.J.)

In diesem bescheidenen Dörfchen mit seinem Panorama und seiner berühmten Vergangenheit, schlummert also einer der märchenhaftesten Schätze der Welt.

© Olaf Jacobskötter           für die Übersetzung ins Deutsche

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