Gorges de Galamus

 

Gorges de Galamus

AN DIESEM KAHLEN FELSEN

IN DESSEN SPALTEN EINZIG

DER WACHOLDERBEERSTRAUCH WÄCHST

WO ALLEIN DER ADLER

IN SEINEM FLUG

WAGTE HERZUKOMMEN

HAT DER MENSCH

 – AN EINEM SEIL HÄNGEND

MIT SEINEM BRECHEISEN-

WIE DER VOGEL

EINEN WEG GEFUNDEN


Die Geschichte der Eremitage Saint-Antoine de Galamus 

Inmitten von Fenouilliédes, am Ufer des Flusses Agly, liegt die Eremitage (Einsiedelei) von Saint-Antoine de Galamus, deren Ursprung bis ins 7. Jahrhundert zurückreicht. Ihre Blütezeit erlebte sie im 15. Jahrhundert, als sich ihre Besitztümer bis in das Tal von Saint-Paul de Fenouillet erstreckten.

Die Lokale Geschichte berichtet, dass im Jahre 1092 der Troubadour (Minnesänger) Jehan Cantalauze, genannt Gadamus (was übersetzt heißt: Wir wollen uns freuen), von himmlischen Stimmen in die Schlucht geführt wurde, um in der Einsamkeit zu Saint-Antoine zu beten.

Die Legende erzählt, dass der Troubadour Gadamus, in Begleitung seines Freundes Gilles Montardel von Schloss zu Schloss zog. Eines Tages verliebte er sich auf dem Schloss Puilaurens in die schöne Sylvaine, die Tochter des Haushofmeisters. Als die beiden Freunde ihren Weg fortsetzten und den Wald von Fanges durchquerten, wurden sie von Räubern überfallen. Nach kurzem Kampf stürzte Gilles Montardel tödlich verletzt nieder. Bevor er starb, bat er seinen Freund, in Jerusalem am Grab Christi für seine Seele zu beten. Gadamus gelobte, diesen letzten Wunsch auszuführen. Er brachte die Leiche seines Freundes zum Schloss zurück und versprach Sylvaine, sie nach seiner Rückkehr zu heiraten.

Die Reise dauerte zwölf Monate. Die Liebe zu Sylvaine half Gadamus, alle Schwierigkeiten zu überstehen. Nach der Fürbitte am Heiligen Grab kehrte er in die Heimat zurück. Als er die Ruhestätte seines Freundes auf dem Friedhof aufsuchte, entdeckte er das Grab seiner Freundin Sylvaine, die in der Zwischenzeit an der Pest gestorben war.

Nachdem Gadamus nun alle Menschen, die ihm nahe standen, verloren hatte, beschloss er, in den Orden von Saint-Paul einzutreten. Er bat um ein Leben in völliger Einsamkeit und brach in das Hinterland zu einer Höhle auf, die von da an „Eremitage von Galamus“ genannt wurde. Gadamus blieb an diesem Ort bis an sein Lebensende.

Die Kapelle der Höhle wurde bereits seit dem 8. Jahrhundert von einzelnen Einsiedlern benutzt. Der Abt Cazes berichtete, dass sich im Jahre 1395 Franziskaner-Mönche in der Eremitage niederließen. Die Eremitage von Galamus wurde das erste Mal in den Aufzeichnungen, beginnend am 06. Oktober 1474, durch eine Gabe von 6 Deniers (Silberlingen-/münzen, Heller) eines gewissen Beridina erwähnt. Am 10.September 1482 erhielten die Brüder des Franziskaner-Ordens vom Kapitel Saint-Paul das Recht, die Eremitage zu bewirtschaften. In den Jahren 1486 und 1494 erhielten sie darüber hinaus Ländereien von der örtlichen Bevölkerung.

Diese Schenkungen zogen Interessenkonflikte nach sich, die am 5. Juni 1560 durch eine Übereinkunft beendet wurden, die das Besitzrecht der Eremiten auf die Ländereien durch die Zahlung von 50 Pfund bestätigte. 1791 wurde die Einsiedelei, inzwischen Staatsbesitz, für 800 Francs an Pierre Baudet verkauft.

 

Der Lebensweg des Saint-Antoine

 

Antoine Le Grand wurde im Jahre 251 in Come in Ober-Ägypten geboren. Er stammte aus einer wohlhabenden Familie aus der Gegend von Memphis. Im Alter von 18 Jahren wurde Antoine Waise. Sein Lebensweg war durch seinen Glauben bestimmt. Als er eines Tages in eine Kirche trat um zu beten, hörte er folgende Worte: >>Wenn du vollkommen sein willst, gehe, verkaufe deinen gesamten Besitz, gib ihn den Armen und du wirst einen Schatz im Himmel haben. Dann brich auf und folge mir!<< Er begriff, dass diese Worte an ihn gerichtet waren, kehrte nach Hause zurück, verkaufte alle seine Felder und verteilte das Geld unter den Armen. Er behielt einen kleinen Betrag für sich und den Lebensunterhalt seiner Schwester zurück. 

Ein anderes Mal hörte er: >>Darum sorget nicht für morgen, denn der morgige Tag wird für das Seine sorgen. Es ist genug, dass jeder Tag seine eigene Plage habe.<< Daraufhin verteilte er seine restliche Habe an die Armen und bat Ordensschwestern, sich um seine Schwester zu kümmern. Er zog sich in die Einsamkeit zurück und wohnte bei einem alten Einsiedler, damit dieser ihn das Leben eines Eremiten einführe. Er verbrachte seine Tage mit Beten und Lesen der Heiligen Schriften. Um eine vollkommene innere Abgeschiedenheit zu erreichen, suchte er nach einem noch einsameren Ort. 

Nach mehreren Fehlschlägen wählte er eine alte Burgruine als Aufenthaltsort, die voll von Schlangen, aber dicht an einer Wasserquelle gelegen war. Er beschloss, den Eingang mit großen Steinen zu vermauern (dies Erinnert an eine Spoulga der Katharer). Sein Ruf als Heiliger begann sich durch das ganze Land zu verbreiten, Menschen wollten unbedingt seine Worte hören oder sein Leben als Einsiedler nachahmen. 

Antoine begriff, dass er im Dienste Gottes stand und öffnete den Eingang zur Burg wieder. Da die Zahl der Besucher immer größer wurde, beschloss Antoine, ein Kloster zu gründen. Er weigerte sich aber eine Klosterordnung festzulegen.

Auf Grund der Verfolgung der Christen in Alexandria beschloss Antoine aufzubrechen, um sie zu unterstützen. Da er sich aber an das städtische Leben nicht gewöhnen konnte, kehrte er in die Berge zurück und rechtfertigte sein Verhalten mit den Worten: >>Die Stadt ist ein Ort der Entartung, ich bin geschaffen, um in den Bergen zu leben, wie der Fisch im Wasser.<<

Er ließ sich am Fuße des Berges Golzim nieder (heute Saint-Antonius Berg genannt), der nahe am Roten Meer liegt. Er baute Getreide und Gemüse an und flocht Gegenstände aus Schnüren und Seilen. Er fand seine volle Zufriedenheit an diesem Ort.

Als die Leute von seiner neuerlichen Abgeschiedenheit erfuhren, suchten sie ihn auf und Antoine beschloss, sie zu lehren, dem Teufel Widerstand zu leisten. In dieser Zeit besuchte er auch andere Einsiedler. Seine bekannteste Reise führte zu dem großen Eremiten Paul, der im Alter von 113 Jahren starb. Mit ihm verbrachte er im Jahre 342 dessen letzte Tage.

Da er aber dem Konflikt in Alexandria nicht untätig fernbleiben konnte, kehrte er im Jahre 354 dorthin zurück, um gegen die Arier zu kämpfen. Bei diesem Aufenthalt begegnete er dem Bischoff Athanasius.

Saint-Antoine, der Eremit, starb am 17.01.356 im Alter von 105 Jahren. Zuvor hatte er seine Begleiter gebeten, den Ort seines Begräbnisses nicht bekannt zu geben. Sein grab wurde erst 561, mehr als 200 Jahre später, entdeckt. Seine sterblichen Überreste wurden in die Kirche von Johannes dem Täufer in Alexandria überführt. Bei Ankunft der Araber, gegen 635, beschloss man, seine Überreste nach Konstantinopel zu bringen. Gegen 980 erhielt sie ein Adliger aus der Dauphiné (seit 1349 fr. Provinz in Südostfrankreich zwischen Rhone und italienischer Grenze) mit dem Namen Josselin als Geschenk von dem oströmischen Kaiser Diogenes IV.. Er brachte sie zum Mont Saint Didier, heute Mont Saint-Antoine genannt.

Als im 11. Jahrhundert große Epidemien (wahrscheinlich die Pocken, verbreitet durch die Kreuzritter) die französischen Provinzen verwüsteten, fanden durch die Mitwirkung der Reliquien des Heiligen mehrere Wunder statt. In ganz Frankreich flehte man nun um den Schutz von Saint-Antoine.

Ein Adliger aus Wien, dessen Sohn durch ein Wunder gerettet worden war, erbaute am Mont Saint Didier ein Hospital für die Armen, die von der schweren Krankheit befallen waren. Er gründete außerdem einen Laienorden, den Papst Bonifacius VIII. zum Klosterorden erhob.

Auf diese Weise entstand der Orden der Antoniter. Er wurde im Jahre 1777 aufgelöst und in den Orden von Malta eingegliedert.

Ende des 14. Jahrhunderts überführten die Benediktiner des Klosters Montmajour, nahe bei Arles, die Reliquien von Saint-Antoine in ihr Kloster.

Auch in einer Betkapelle der Kirche von Lezat (Haute-Garonne) findet man einen Schrein mit Reliquien von Saint-Antoine.

Die Kirche von Saint-Paul de Fenouillet besitzt ebenfalls einen Reliquienschrein. Zu Pfingsten werden die Reliquien von Saint-Antoine in die Eremitage von Galamus gebracht, damit die Pilger zu Saint-Antoine beten können, um bei Gott ihr Fürsprecher zu sein.

 

Weitere Eremiten

 

Père Palau y Quer  wurde am 29. Dezember 1811 in Aytona Lerida in Spanien geboren und 1836 in Barlastre zum Priester geweiht. Er lebte von 1840 bis 1851 in Frankreich im Exil. Während seiner ersten Jahre im Exil suchte er Einsamkeit und innere Sammlung in der Grotte von Galamus. Ihm wurde ein Altar gewidmet. 1843 lässt er sich in Lesquerde nieder. 1851 wechselte er die Diözese von Mautauban mit den Orten Caylus, Mondésir, Notre Dame de Livron, Saint-Aubin de Canteyurac und Loze.

Sein Leitgedanke 

>>Ich bin in die Höhlen der Felsen hineingegangen, die Stille zu suchen, die in den Tiefen der Erde herrscht, und um so mein Leben an diesem düsteren Ort zu verbergen. Mein Geist wird auf diese Weise weniger abgelenkt, als wenn ich unter Menschen leben würde.<<

Père Palau y Quer starb am 20.März 1872 in Taragona.

Am 24.April 1988 wurde er von Papst Paul II. selig gesprochen 

Pater Marie (Joseph Chiron) wurde am 19. November 1789 in Bourg-Saint-Andéol geboren und 1823 zum Priester geweiht. Sein Name wird in der kleinen Gemeinde Saint-Martin inférieur in der Ardéche erwähnt, wo er die Kongregation Sainte-Marie gründete. 1826 wird er zum Gefängnisgeistlichen von Privas ernannt. 1829 werden unter dem Einfluss der Kongregation Sainte-Marie die Kerker der geisteskranken Frauen geöffnet. 1836 erfolgte die offizielle Gründung der Kongregation in Clermont-Ferrand. 1842 übernimmt diese verantwortlich die Leitung für das Haus de la Celettes.

Am 24. Februar 1843 beschließt Pater Chiron, die Kongregation, die eine gut organisierte Vereinigung geworden ist, zu verlassen, um wieder intensiv seinen Glauben zu leben. 

Einen Monat später ereicht er die Eremitage von Saint-Antoine de Galamus und wird dort zum Pater Marie. 

Sein Leitgedanke:

>>Ich ziehe mich so lange zurück, wie es Gott gefällt, mich in dieser tiefen Zurückgezogenheit zu belassen. Durch untreue habe ich mich vom Glauben entfernt und erkannt, dass die Einsamkeit das Leben für die Seele ist, wie die Atmung das Leben für den Körper. Das Evangelium hat sich nicht geändert und Gott ist der gleiche geblieben. Wir ziehen den himmlischen Glanz des Königs aller Könige in der Krippe den großen brillanten Ereignissen dieser Welt vor, die trügerisch und vergänglich sind.<<

Am 28. Dezember 1852 stirbt er in Rufe der Heiligkeit.

Pater Pierre Verdier  1879. Er grub sein eigens Grab, bevor er an Hunger starb. Sein Grabstein befindet sich am Anfang der Treppen der Eremitage von Saint-Antoine.

Pater Blancarte  1959, genannt Bruder Jean. Er war der letzte Eremit in der Eremitage von Saint-Antoine de Galamus. 

 

Ein paar Tipps für die Besichtigung 

Bei Ihrem langen Anmarschweg haben sie die Schönheit der Landschaft gesehen 

Wir laden Sie ein, hier ein wenig auszuruhen und diese Stätte der Andacht zu besuchen. 

Geradeaus steigen Sie zur Höhlen-Kapelle hinab, die etwa 25 Meter lang und 7 Meter breit ist. Der ehemalige Hauptaltar auf einem Sockel mit 8 Stufen wurde zerstört und durch einen neuen, davor stehenden Altar ersetzt. Sie sehen dort die Reproduktion einer mehrfarbigen, naiven Christusdarstellung aus dem Byzanz des 16. Jahrhunderts, deren Original in Angoustrine Pio steht.

Links befindet sich eine Statue von Saint-Antoine, 1984 von dem Bildhauer G. Grouiller angefertigt. Der Sockel trägt das Zeichen von Saint-Antoine, Kennzeichen des Ordens der Antoniter.

Die Kapelle ist mit verschiedenen Darstellungen der Heiligen Jungfrau ausgeschmückt. Rechts etwas erhöht, sehen Sie die Nachbildung von Notre Dame de Laval, die das Jesuskind auf ihren Knien trägt, gespendet von Monsieur le Curé Abelanet.

Weiter hinter entdeckt man ein magisches Quadrat, darüber einen Petruskopf. Die folgende Inschrift kann man sowohl horizontal wie auch vertikal lesen:

S A T O R

A R E P O

T E N E T

O P E R A

R O T A S 

Die Übersetzung lautet: Der Schöpfer führt den Pflug, zieht seine Furchen über die Erde und vollendet sein Werk.

Die Inschrift war das Erkennungszeichen der ersten Christen. Man findet sie eingraviert und gemalt in Kirchen.

Etwas entfernt erinnert eine Betkapelle an die Eremitenzeit des Paters Palau und an seinen Leitgedanken: 

>>Ich bin in die Höhlen der Felsen hineingegangen, die Stille zu suchen, die in den Tiefen der Erde herrscht, und um so mein Leben an diesem düsteren Ort zu verbergen. Mein Geist wird auf diese Weise weniger abgelenkt, als wenn ich unter Menschen leben würde.<<

Im Hintergrund befindet sich eine Abbildung von Sainte-Germaine de Pibrac, die aus der Kapelle von Thermes (Gorges de la Fou) stammt.

Wenn Sie sich in Richtung Eingang umdrehen, sehen Sie die Empore, die von drei Bögen überspannt wird. 

Nach Verlassen der Kapelle erreichen Sie einen kleinen Platz mit einer schönen Platane. Wenn Sie nach oben schauen, entdecken Sie den Turm für die Glocke. 

Links erreichen Sie über eine Treppe die Empore von außen und gewinnen von dort einen neuen, interessanten Blick über das Innere der Kapelle.

Danach kommen Sie zur Souvenier-Boutique. Rechts davon führt eine Treppe an den Mönchszellen vorbei zur Grotte Marie-Madeleine, die der Grotte in Lourdes nachgebildet ist. Dort befindet sich eine Christus-Darstellung in Holz, „Le Christ de l´humanité“ von dem Bildhauer G. Groullier. 

Der Boden des Quellbrunnens ist mit Münzen übersät, den die Überlieferung sagt: Wenn Sie sich mit dem Rücken zum Brunnen stellen, die Augen schließen, über Ihre Schulter eine Münze werfen, sodass diese in das Wasser fällt, wird sich Ihr Wunsch noch in diesem Jahr erfüllen.

Bei weitergehender Besichtigung können Sie am Grab des Eremiten Pater Pierre Verdier innehalten. Vor seinem Tod 1870 hatte er sein eigenes Grab ausgehoben. 

In Richtung Ausgang erreichen Sie einen Tunnel, dem 120 Stufen, in Richtung Strasse, folgen. Sie könne aber auch den anderen Weg, vom Aussichtspunkt des Felsvorsprungs, am Parkplatz, für den Hin- und Rückweg nehmen.

Etabli le 24 avril 2002 par Did – Base documentaire l´Eremitage de Galamus de C. Ollié  

Deutsche Übersetzung 2004: Ingeborg Wunderer und Werner Schultze, Nürnberg; mit wenigen  Änderungen &

Ergänzungen von Olaf Jacobskötter

 

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